So fing es an…

Und so fing alles an…

…Die nachfolgende Darstellung über die Anfänge des Skilaufs im Ostrachtal gab einer der alten Skipioniere des Allgäus, der Carl Waibel aus Oberdorf, bei einem „Huigarte“ mit Architekt Herbert Arnold, ebenfalls aus Bad Oberdorf. Und so erzählt er:

„Im Jahre 1892 hatte der sportbegeisterte Arzt von Hindelang, Dr. Ludwig Gerl, der Vater des bekannten Prof.Dr.Gerl, bzw. Großvater des Wettläufers Dr. Dieter Gerl, ein Buch erworben mit dem Titel „Auf Schneeschuhen durch Grönland“, von Fridtjof Nansen. Angeregt hierdurch ließ er sichaus Norwegen ein Paar derartiger Schneeschuhe senden. Als dann der Winter kam, wurden hinter Gerls Haus die ersten Versuche durchgeführt. Da Gerl zufolge eines Fußleidens den Schneeschuhlauf praktisch nicht selbst ausprobieren konnte, holte er den damaligen Vorturner Luitpold Agerer und mich. Die Schneeschuhe entsprachen grundsätzlich der heutigen Form, hatten jedoch stärker nach oben gebogene Spitzen. Vorn waren sie breit und nach hinten gleichmäßig schmal auslaufend. Die Bindung bestand aus Rohr und Riemen und ein langer Bambusstecken vervollständigte die Ausrüstung.

Es waren ungefähr 40 cm Neuschnee gefallen und als wir mit den Schneeschuhen zu gehen versuchten, bildeten sich große Pappschneeballen unter unseren Skiern, so dass wir recht unbeholfen herum stapften und uns die Sache ziemlich umständlich und unbequem erschien, denn mit unseren bekannten Schneereifen waren wir doch viel beweglicher, insbesondere beim Umkehren. Nach längeren, vergeblichen Versuchen kamen wir zu dem Entschluss:

„Des ischt amol nix!“

Und wir stapften weitere Jahre mit unseren Schneereifen….

Erst etwa 10 Jahre später, im Jahre 1902, erhielten die Versuche den richtigen Boden, als Rudolf Herz aus Immenstadt uns in der Nähe der alten Jochstraße zeigte, wie man mit diesen Schneeschuhen bequem die Berge hinab fahren konnte. Das imponierte uns schon mehr. Kurz entschlossen behielten wir die Schneeschuhe vom Herz hier und ließen uns vom Wagner Brutscher in Hindelang gleiche anfertigen.

Von da ab befanden wir uns im Banne des Skilaufs. Mein treuer Gefährte Sebald Schofer und ich begannen Touren zu fahren und wir konnten die Wochenenden kaum erwarten, um auf unseren Skiern durch die majestätische Pracht unserer herrlichen, unberührten Winterlandschaft zu gleiten. Jede Bergbegeisterung war eine Erstbesteigung und unsere Touren waren Entdeckungsfahrten im wahrsten Sinne des Wortes. Zuerst war es das Gebiet bei der Hornalpe, der jetzigen Bergstation des neu erbauten Sesselliftes, dann das Gelände in Oberjoch, Iseler, Ponten usw., wo unsere Skispuren sich abzeichneten. Kein Berg war vor uns mehr sicher. Übernachtungs- und Ausgangsstation war oft die Vordere Wiedhagalpe, die wir eines Tages zu unserem Erstaunen infolge einer Lawine um 50 Meter verschoben vorfanden.

In Erinnerung ist mir auch noch folgendes Erlebnis: Die Abfahrten machten uns immer einen Mordsspaß und so war es selbstverständlich, immer idealere und waghalsigere Hänge zu finden. Eines Tages fuhren wir in der Mulde zwischen Ponten und Stuiben in Richtung Schattwald ab. Die einen stemmten den Stock kräftig zur Seite und die anderen ritten auf ihm munter zu Tal. Es begann eine tüchtige Hetze, denn ein jeder wollte zuerst bei einem Glas Tiroler Roten in Schattwald sitzen. Hatte sich einer zu viel vorgenommen, musste er dies mit einem Sturz büßen; dann lachten die anderen und wollten diese wiederum aufholen, ereilte sie das gleiche Schicksal und so kam es, dass wir wie die Schneemänner alle zugleich Einzug hielten. Hier kam uns in Schattwald der alte Tiroler Jäger Rief mit den Worten entgegen:

„Jo mei, d`Hindelanger sind`s!“

Ski von Rubers Albert

So sahen die ersten Ski aus, die „Rubers Albert“ damals herstellte

Weil wir über seine Begrüßung ziemlich erstaunt waren, schilderte er uns, wie er auf einmal oben am Ponten kleine sich bewegende Punkte gesehen und gleich sein Fernglas herbeigeholt habe. Als er erkannte, dass die Punkte Menschen waren, habe er gerufen:

„Wenn die dao ra wend, sind se hi!“

Ungläubig schüttelte er noch den Kopf und klopfte uns auf die Schultern, als ob er sich überzeugen wollte, dass wir doch „Irdische“ waren.

Erster Skikurs in Groß-Liebenstein

Skilehrer Szarsky beim ersten Skikurs in Groß-Liebenstein

Neben Waibel und Schofer gehörten zu diesen ersten Skipionieren des Ostrachtales Josef Schmid, Alois Weber, Albert Brutscher, Josef Herz und Baptist Haberstock. Eine kleine Schar war es, die sich dem Skifahren verschrieb und den Wintersport im Ostrachtal heimisch machte.

„Wilde Rotte“, „Schneeziachar“, „d`Brettleshupfar“, „Schileggl“ und „Brettlesmarder“ verspottete man sie. Aber es folgten die schneereichen Winter 1907 und 1908, in welchen erst die Verwendung der Ski so richtig zur Geltung kam und damit wurde auch der Wert der Bretter allgemein als sehr praktisch anerkannt. Immer mehr wurden Anhänger des Skisports und so allmählich verstummte auch das Gerede über die „Schileggl“ und ähnliches.

Die größte Hetz war natürlich immer eine Bergabfahrt, weil jeder so recht und schlecht geradeausfahren musste, bis ein Sturz seine Abfahrt beendete. Unfälle gab es aber trotzdem verhältnismäßig wenig, wenn auch die Kameraden Kagerer und Schofer Beinbrüche erlitten. Dies konnte aber der Begeisterung keinen Abbruch tun. Hindelang war plötzlich im Gespräch, „dass der Skisport hier besonders aufkomme“ und so war es nicht verwunderlich, dass der Touringclub München im Jahre 1910 unter der Leitung von Mathias Zdarsky aus Lilienfeld den ersten Skikurs durchführte mit etwa 40 Teilnehmern. Dies war natürlich für die Hindelanger eine ganz besondere Chance und der Großteil der Sportbegeisterten machte ebenfalls mit und gewann viel an Neuigkeit und Skitechnik dazu. Gleichzeitig wurden die Skibücher von Bilgeri und Paulke populär, die manchem das noch fehlende Wissen vermittelten. Und so wuchs die Begeisterung an der neuen Sportart immer mehr, was schließlich im Spätherbst 1910 zur ersten Besprechung und dann zum Zusammenschluss sämtlicher Rodler und Skifahrer des Verschönerungsvereins zu einer Wintersportabteilung unter der Leitung von Carl Waibels führte.

Der zukünftige SVH war geboren.

Abzeichen Schneeschuhriege

Das von Richard Mahn entworfene Abzeichen der Schneeschuhriege

und so ging es weiter…



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